Die offizielle Vorstellung unseres neuen Magazins

Heiner Nissen nennt den Moment „historisch“. Immerhin habe die Sache über 50 Jahre gedauert. Ingwer Hansen betrachtet die Angelegenheit ein klein wenig nüchterner. Er sagt, er sei „überrascht, wie geräuschlos das alles vonstatten gegangen ist“. Was da nun vermutlich irgendwo zwischen historisch bedingter Euphorie und sachlichem Pragmatismus anzusiedeln ist, umfasst 164 Seiten und trägt den Titel „Reisemagazin 2020 – Schlei und Ostsee“. Es ist das, was früher Gastgeberverzeichnis hieß, und was die beiden Touristikvereine Kappeln und Ferienland Ostsee / Geltinger Bucht bereits seit einigen Jahren gemeinsam auf den Markt brachten. Obwohl – so richtig gemeinsam war es dann doch nicht. Schließlich kam das Produkt als Wendekatalog daher – von der einen Seite Kappeln, von der anderen Gelting. Damit ist nun Schluss: Die beiden Vereine haben alle ihre Urlaubsquartiere unter derselben Leitlinie einsortiert und ihrem Magazin an der ein oder anderen Stelle deutlich mehr Zeitgeist und Regionalität eingehaucht. Ach ja, und Wenden ist ab sofort nicht mehr erforderlich.

Tatsächlich ist der deutlichste Unterschied (neben dem Aspekt, den Katalog jetzt in einem Rutsch durchblättern zu können) die Anordnung der Ferienunterkünfte: Gelting hatte die Quartiere bislang nach den jeweiligen Orten – also etwa Gelting, Hasselberg, Pommerby, Nieby – sortiert. Kappeln bot eine Orientierung nach Art der Unterkunft – etwa Zimmer, Wohnung, Bauernhof. Und man hätte davon ausgehen können, dass die Überwindung dieses Unterschieds der größte Kraftakt gewesen ist. Heiner Nissen, Vorsitzender des Geltinger Vereins, aber sagt: „Wir haben alle Befindlichkeiten abgelegt und uns nur damit beschäftigt, wie das Magazin aus Sicht des Gastes wirkt.“ Es sei um Effizienz, Übersicht und Vielfalt gegangen.

Das Resultat: Die Sortierung funktioniert künftig zunächst nach Art der Unterkunft, innerhalb dessen alphabetisch nach Ort und schließlich ungeordnet. Ingwer Hansen, Vorsitzender des Kappelner Vereins, sagt: „Für unsere Vermieter mag das ungewohnt sein, weil die Sortierung nun nicht mehr mit Vermieter A beginnt und Vermieter Z endet. Aber für unsere Gäste ist es hilfreicher.“ Aus eben diesem Grund haben beide Vereine auch Verzicht geübt – zum Beispiel auf das jeweilige Logo auf dem Titel. Heiner Nissen findet: „Uns war eine schöne, stimmungsvolle Optik wichtiger.“ Für Egotrips blieb da kein Platz. Auch nicht für einen Hochglanz-Umschlag. „Wir sind nicht Hochglanz“, sagt Nissen. „Das passt nicht zu uns.“ Es geht um Emotionalität, um Ursprüngliches, um Authentisches.

Gleiches galt für die Information der Gäste, die zwar ihr Quartier an einem bestimmten Ort beziehen, ihren Aufenthalt aber doch in der gesamten Region verbringen. So hat man den Gastroführer aufgewertet, hat Bilder hinzugefügt und mit Piktogrammen darauf hingewiesen, ob beispielsweise Hunde willkommen sind. Kappeln und die Geltinger Birk werden mit großformatigen und aussagekräftigen Fotos vorgestellt, auch kleinere Gemeinden wie Grödersby, Kronsgaard, Stangheck oder Massholm finden sich in stimmungsvollen Aufnahmen wieder. Aktivitäten erhalten mehr Gewicht, Gäste erfahren etwas über Radfahren, Leuchttürme, Natur erleben oder Wassersport – und Schlechtwetter-Tipps. Weiterer Fokus sind regionale Produkte: Zum Reisemagazin gehört auch ein detaillierter Überblick über heimische Spezialitäten und deren Anbieter. Heiner Nissen betont: „Nachhaltigkeit ist ein Thema für uns. Und Typisches aus der Region ist die beste Werbung dafür.“

Die komplette Umgestaltung des Katalogs hat neben einem Mehr an Zeit auch mehr Geld beansprucht, das stellt Ingwer Hansen klar. Gewonnen haben unter anderem Lesbarkeit und Handhabung.

20 000 Exemplare haben die Vereine drucken lassen, ein großer Teil davon ist bereits verschickt. Im Netz ist das Magazin als PDF abrufbar. 164 Seiten Urlaubsstimmung, die Kappeln und Gelting gemeinsam gestalten.

Rebecca Nordmann im Schleiboten vom 26.10.19